Toskana Siena
Der hochaufgerichtete Glockenturm des Rathauses von Siena ist das noch weit im Umland sichtbare Symbol dafür, daß die Provinz von alters her der Stadt untertan ist - Terra di Siena. Diese Terra hat es in sich. Hier kannst Du Landschaften erleben, die für viele Zeitgenossen die eigentliche Toskana ausmachen, atemberaubend anmutig, vom Menschen vielfach gestaltet.
Ein großer Teil des Chianti-Classico-Gebietes liegt in der Provinz Siena. Südlich an das Chianti-Gebiet schließen sich die Crete Senesi an, eine faszinierende Einöde aus unendlichen Ketten karger Lehmhügel, mehr bewohnt von Schafen als vom Menschen. Südwestlich von Siena beginnen die waldreichen Colline Metallifere, die fast bis an die Thyrrhenische Küste reichen. Die Landschaft der Crete geht nach Süden über in das Val d' Orcia: Zwischen Montalcino, dem Herkunftsort des berühmten Rotweins Brunello, und Montepulciano entfaltet sich vor Dir eine Landschaft aus weich geformten Hügelketten, die das Werk eines Künstlers zu sein scheint. Besonders zart wirkt das Tableau frühmorgens, wenn sich die Nebelschleier allmählich heben.
Bagno Vignoni
Zentrum dieses reizvollen kleinen Badeortes im Val d’Orcia südlich von Siena ist nicht etwa, wie man es erwartet, eine Piazza, sondern ein Becken mit 52° C heißem Thermalwasser, erbaut im Mittelalter.

Schon die Hl. Caterina von Siena (1347-80) erfrischte sich darin. Für einige Schlüsselszenen des Films Nostalghia des russischen Regisseurs Andrei Tarkovsky war es Schauplatz. In Bagno Vignoni befinden sich ein paar Hotels mit Kurmöglichkeit. Etwas außerhalb verlief im Mittelalter die Via Francigena. Dort zogen die Pilger aus dem Alpenraum vorbei - unterwegs nach Rom auf der Suche nach dem verlorenen Himmelreich. An Wochenenden wird der Ort von italienischen Kurzurlaubern überlaufen; auch sie suchen.
Castellina in Chianti
Castellina ist einer der Hauptorte im Gebiet des Chianti Classico. Castellina ist sehr alten Ursprungs. Viele archäologisch hochinteressante Stellen belegen, daß der Ort von den Etruskern gegründet wurde (etruskische Funde). Teile der Verteidigungsmauer können noch heute bewundert werden. Castellina war mit Radda und Gaiole Mitglied der Lega del Chianti, 1270 zur Verteidigung gegen Siena gegründet. Wichtiges Zentrum der Weinerzeugung. In der näheren Umgebung liegen viele bedeutende Weingüter..
Montalcino
Trotz Überkommerzialisierung, die Montalcino während der warmen Monate erleiden muß, lohnt sich der Besuch. Auf einem 567 m hohen Hügel gelegen, scheint der kleine Ort das umliegende Land zu beherrschen. Baulicher Mittelpunkt ist die gut erhaltene mittelalterliche Festung. Von ihr geht ein Gewirr malerischer enger Gassen aus, in denen interessante kleine Läden Wein, Olivenöl und Erzeugnisse des lokalen Handwerks feilbieten. Genieße in der traditionsreichen Fiaschietteria Cantina del Brunello (Piazza del Popolo, 8) ein gutes Glas Brunello di Montalcino; denn Montalcino ist die Heimat dieses international begehrten, teuren Rotweines. Sehenswert sind außer der Festung der Palazzo Comunale und der Palazzo Vescovile, der zwei Museen beherbergt. Ein paar Kilometer von Montalcino entfernt findest Du unterhalb des Ortsteils Castelnuovo dell' Abate eine von Karl dem Großen 781 gegründete imposante Abtei im romanischen Stil - Sant' Antimo.
Montepulciano
Montepulciano wurde auf einem schmalen Kamm 600 m ü.M. errichtet, beschützt von einer hohen, kompakten Mauer, in die Verteidigungsanlagen integriert sind. Die Stadt ist bekannt für ihr sehr gut erhaltenes historisches Zentrum mit beeindruckenden Palästen aus der Renaissance (Piazza Grande mit Palazzo Communale) und romantischen engen Gassen sowie für den DOCG-Wein Vino Nobile di Montepulciano. Besonders sehenswert sind der Dom, die Cantina del Redi (ein historischer großer Weinkeller unter dem Palazzo Ricci), das Stadtmuseum und die Pinakothek.

Genieße im traditionsreichen Caffé Il Poliziano (Via di Voltaia del Corso, 27-29) nicht nur den herrlichen Panoramablick, sondern auch die köstlichen Dolci. Jedes Jahr im Sommer findet der Cantiere Internazionale d' Arte statt, 1976 vom Komponisten Heinz Werner Henze zur Verbreitung Neuer Musik ins Leben gerufen.
Monteriggioni
Sehr interessanter kleiner Ort mittelalterlichen Ursprungs. In Dantes Göttlicher Komödie wird das Inferno versinnbildlicht durch die mit 14 Türmen bewehrte mächtige Mauer, die Monteriggioni vollständig umfaßt..
Pienza
Das südöstlich von Siena und ganz in der Nähe von Montepulciano gelegene Städtchen Pienza ist ein seltenes Beispiel für vollendete Stadtplanung der Renaissancezeit. Papst Pius II (Geburtsname: Enea Silvio de' Piccolomini) erteilte den Auftrag, sein Heimatdorf Corsignano zur Idealen Stadt umzugestalten. Wichtige Teile des anspruchsvollen Planes konnten realisiert werden, doch als Ganzes blieb er unvollendet. Besonders sehenswert sind der Dom und der Palazzo Piccolomini, beide von Bernardo Rossellini erbaut. Der Palazzo Piccolomini, gleich neben dem Dom gelegen, diente den Nachfolgern von Papst Pius II bis 1968 als Residenz.
Pienza ist das Zentrum der Herstellung von Schafskäse im Val d' Orcia (Pecorino di Pienza). Jedes Jahr im September wird die Fiera del Cacio gefeiert, ein Volksfest rund um den Schafskäse.
Radda in Chianti
Auf einem Hügel gelegener kleiner Ort, der seine aus dem Mittelalter stammende bauliche Struktur weitgehend bewahrt hat. 1270 wurde hier zur Verteidigung gegen Siena von den Gemeinden Castellina, Gaiole und Radda die Lega del Chianti gegründet. Radda ist ein wichtiges Zentrum der Weinerzeugung. Sehr schönes Rathaus (Palazzo del Podestá)..
San Gimignano
Die meiste Zeit des Jahres ist San Gimignano tagsüber so etwas wie ein toskanisches Disneyland. Von überall her strömen Besucher herein, dieses beeindruckende 'Manhattan des Mittelalters' (7.000 Einwohner) anzuschauen, das mit Hilfe der UNESCO vorbildlich restauriert worden. Zum Glück leert sich die Stadt bei Einbruch der Dunkelheit und findet zurück zu sich selbst. Jede der in früheren Jahrhunderten hier ansässigen einflußreichen Adelsfamilien ließ einen hohen Geschlechterturm errichten als weithin sichtbares Symbol ihrer Bedeutung. Die meisten Türme wurden im Laufe der Jahrhunderte abgetragen. Doch auch die 13 erhalten gebliebenen vermitteln eine Vorstellung davon, wieviel Macht früher in San Gimignano konzentriert war.
Siena
In Siena, der auf drei Hügeln erbauten stolzen Provinzhauptstadt mit 55.000 Einwohnern, veranschaulicht die strenge Planung der Gassen und Plätze sowie der gotische Stil der wichtigsten Gebäude noch heute, wie mächtig Siena früher einmal war; denn neben Florenz und Pisa bestimmte diese Stadt die Geschichte und die Kultur der Toskana entscheidend mit. Hier entstand das moderne Bankwesen. Die Bank Monte dei Paschi di Siena steht noch heute für Solidität aus Tradition und für vorausschauendes Handeln - beides längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

Die von prächtigen Palästen eingefaßte muschelförmige Piazza del Campo, einer der schönsten Plätze auf der ganzen Welt, ist Sienas lebendiger Mittelpunkt. Zweimal im Jahr findet hier der Palio statt, ein historisches Pferderennen, das die gesamte Stadt in seinen Bann zieht: am 2. Juli und am 16. August.
Es ist faszinierend und unvergeßlich, vom Torre del Mangia, dem berühmten Glockenturm des Rathauses (Palazzo Pubblico), über die Stadt und das hügelige Umland zu schauen. Vielleicht läßt sich von da oben die Empfindung dafür gewinnen, was wir Menschen des Internetzeitalters verloren haben gegenüber den Menschen, die Städte wie Siena, Pisa, Florenz und San Gimignano erschufen.
Der Palio
Wenn "die Erde auf dem Platz liegt", ist das Rennen schrecklich nah: die "Erde" - eine Tuffschicht, die auf der Piazza del Campo ausgebreitet wird, ist das Zeichen dafür:
Die Vorbereitungen in den Stadtvierteln, den Contrade, stehen vor dem Abschluß, eine nervöse Stimmung breitet sich aus. Die Pferde werden ausgelost und übernommen. Am Abend vor dem Rennen findet sich jede Contrada zu einem großen Essen ein: Strategien werden entwickelt, und die Gemüter entbrennen; Hauptsache ist zu siegen.
Am Tag der Entscheidung wird auf dem Campo die Messe der Jockeys gefeiert. Darauf folgt ein Probelauf. Man kehrt in die eigene Contrada zurück, wo das Pferd in der Kirche gesegnet wird. Dann endlich ist es soweit. Der Campo ist brechend voll, alle Augen sind auf die Pferde gerichtet. Es geht an den Start: Pferd und Reiter kommen einzeln heran; die Jockeys sprechen miteinander und schließen die letzten Bündnisse, während sie die nervösen Pferde zügeln. Das Startzeichen ergeht, der Palio beginnt.
Es gewinnt diejenige Contrada, deren Pferd - mit oder ohne Jockey - die drei Runden der Palio zuerst beendet.
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